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Blackout - Teil 4

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Blackout - Teil 3






Als Shinichi frisch angezogen und nach einer Katzenwäsche auf wackligen Beinen in die kleine Küche spazierte, war Heiji gerade damit beschäftigt ein paar kleine und größere Frischhaltedosen aus dem Kühlschrank zu räumen und auf die schmale Ablagefläche der Küchenzeile zu stapeln. Auch er hatte sich kurz zuvor rasiert und umgezogen und trug nun statt dem zerknitterten schwarzen Polohemd einen hellgrauen Kapuzenpulli, aus dem der Rand eines schwarzen T-Shirts herauslugte, sowie eine olivgrüne Kargohose.
"Wenn du möchtest, kann ich uns etwas grillen?", schlug der Detektiv ihm statt einer Begrüßung vor und verschwand wieder suchend hinter der offenen Kühlschranktür. "Willst du lieber Fisch oder Tofu?"
"Tofu", entschied Shinichi ohne zu zögern, während er sich auf einem der schmalen Küchenstühle niederließ.
Heiji nickte knapp, bevor er sich wieder aufrichtete, eine frische Packung weißen Tofus in der Hand.
Shinichi sagte nichts weiter, beobachtete nur verträumt, wie sein neuer Schwarm den ungekochten Reis in den Reiskocher abfüllte, den Rettich gekonnt in dünne Scheibchen schnitt und den Salat anrichtete, während der kleine Elektrogrill sich aufheizte. Heiji gab sich die größte Mühe so zu tun, als ob er ihn nicht beachten würde, doch Shinichi glaubte ihn durchschaut zu haben. Offenbar wollte sein Freund nicht, dass er sich weitere Hoffnungen machte, solange seine Erinnerungen nicht zurückgekehrt waren. Oder aber er hatte es im Nachhinein mit der Angst zu tun bekommen und bereute sein impulsives Versprechen, immerhin hatte er schon eine misslungene Beziehung hinter sich... Was auch immer es war, Shinichi nahm es ihm nicht übel, er konnte beides verstehen, wenn auch schweren Herzens.
"Du hast vorhin gemeint, dass keiner der gemeldeten Fälle etwas mit einem Tempel oder einem Kloster zu tun hätte", schloss der kranke Detektiv schließlich nach einem letzten inneren Seufzer an ihre vorige Unterhaltung an, "aber gab es denn in der Nähe eines der Tatorte einen Tempel?"
Endlich drehte sich Heiji zu ihm um und lehnte sich nachdenklich an die Arbeitsfläche, knabberte gedankenverloren an einem Stück Rettich herum.
"Das habe ich auch schon überlegt, das wäre das nächste, was ich auf der Karte untersuchen möchte", erklärte er ernst, während er anfing ohne es zu bemerken den schmalen Raum auf und abzugehen, den Daumen seiner rechten Hand nachdenklich an die Lippen gepresst. "Vielleicht bist du von einem der Tatorte in einen Tempel geflüchtet, vielleicht nach dem Mord an dem Kioskbesitzer? Das wäre noch der Fall, der am ehesten auf die Org zutreffen würde, aber warum sollten die Killer so jemanden umbringen wollen...? Das macht alles keinen Sinn! Aber was, wenn es keiner dieser Fälle war? Vielleicht haben sie dich einfach nur gefunden und gejagt, und es gibt keine Polizeimeldungen dazu...?" Seine Miene war im Laufe seiner Überlegungen immer düsterer geworden, bis er schließlich qualvoll das Gesicht verzog. "Das wäre schrecklich, wenn ich keinen einzigen Anhaltspunkt finden kann!"
Fasziniert sah Shinichi dem jungen Detektiv zu, obwohl er seine düstere Stimmung uneingeschränkt teilte. Keine Hinweise bedeutete, dass es möglicherweise noch länger dauern würde, bis er sich erinnern könnte, und bis dahin flüsterte sein Unterbewusstsein noch immer drängend "Gefahr!"...
Heijis Lauferei verlangsamte sich allmählich, bis er schließlich in Höhe der Mikrowelle anhielt, seine Stirn noch immer vor Konzentration tief gefurcht. Nur ein kleiner Gegenstand schien seine Gedanken für einen kurzen Moment fangen zu können, sein Gesicht hellte sich für den Bruchteil einer Sekunde auf und er schloss die Hand darum, ließ ihn gleich darauf in der kleinen seitlichen Hosentasche seiner Hose verschwinden. Eine 50 Yen-Münze, wie Shinichi trotz der Schnelligkeit der beiläufigen Geste an der kleinen silbrigen Scheibe mit dem winzigen Loch erkannt hatte. Eine kleine Münze, wie jeder sie nach dem Einkaufen irgendwo verlegte und bei Gelegenheit wiederfand, nichts besonderes.
"Auf jeden Fall werde ich vermutlich heute noch nach Tôkyô reisen müssen um vor Ort weiterzusuchen, es bleibt mir nichts anderes übrig", fuhr Heiji bedauernd fort, während er in Gedanken offenbar noch immer den verschlungenen Pfaden seiner eigenen Überlegungen und Schlussfolgerungen nachging.
Shinichi erwiderte nichts, verfolgte noch immer jede einzelne Bewegung seines Freundes, sein konzentrierter Gesichtsausdruck, wie er nebenher gedankenverloren den Tofu auf dem kleinen Grill wendete, die Seitentasche seiner Hose mit der faszinierenden kleinen Münze, die seine Blicke immer wieder magisch auf sich zu ziehen schien...
Endlich nickte Heiji zufrieden, platzierte den fertigen Tofu auf zwei kleinen Tellern und balancierte diese mit weiteren kleinen Schälchen zum schmalen Küchentisch hinüber, setzte sie vor Shinichi ab, nur um gleich nach den nächsten vollen Schüsseln zu langen.
Als er schließlich mit zwei vollen Suppenschalen zurückkam, spielte Shinichi gerade mit einer Münze in seiner Hand. Überrascht schob Heiji ihm die eine Schale rüber und setzte sich auf den freien Stuhl ihm gegenüber, betrachtete weiterhin fasziniert das gedankenverlorene Spiel. Geschickt drehte sich die silbrige Münze um die hellen Finger, schien ein seltsames Eigenleben zu entwickeln, als ob sie sich von selbst unter Shinichis verträumtem Blick zu bewegen schien, während ein sanftes Lächeln die blassen Wangen erhellte. Dann verschwand die Münze auf einmal, obwohl Heiji ihren Weg aufmerksam mitverfolgt hatte, nur um silbrig glänzend in der anderen Handfläche zu erscheinen, als sich die Finger der anderen Hand wie eine Knospe langsam öffneten, obgleich sich die beiden Hände scheinbar kein einziges Mal nahe gekommen waren...
Mit einem bezaubernden Lächeln hielt ihm Shinichi die offene Handfläche mit der 50 Yen-Münze entgegen, und Heiji nahm sie ihm erstaunt ab.
"Wo hast du das gelernt?", fragte er ihn verblüfft, doch sein Freund zuckte nur - immer noch das gleiche Lächeln im Gesicht - mit den Schultern:
"Keine Ahnung", entschuldigte sich Shinichi verlegen.
Ein zwei Sekunden lang starrte Heiji die kleine gelöcherte Münze überrascht und irritiert zugleich an, als könne sie ihm verraten, warum ihm sein Detektivkollege bisher unbekannte Fähigkeiten vorenthalten hatte. Dann zuckte er ebenfalls mit den Schultern und langte nach der kleinen Hosentasche, in der schon die andere Münze ruhte.
"Kannst du das auch mit zwei? Ich habe hier noch...", begann er neugierig, wurde jedoch gleich von Shinichi sanft unterbrochen:
"Ich weiß, ich habe sie vorhin aus deiner Tasche genommen."
Heijis Hand hielt mitten in ihrer Bewegung inne und er hob verwundert den Kopf, nur um kurz darauf amüsiert zu grinsen:
"Du Di..." Überrascht hielt er inne, seine Kinnlade klappte herunter... und seine Augen weiteten sich im Schock, als ihm der letzte kleine Hinweis auffiel, der ihm seit dem gestrigen Abend ständig wie ein glitschiger Fisch im Wasser durch die Finger geschlüpft war! Noch bevor Shinichi reagieren konnte, war der Detektiv schon an seiner Seite und riss ihm hastig Pullover und T-Shirt hoch, legte den Blick auf den flachen hellhäutigen Bauch frei...
"Die Narbe... Sie fehlt!", stellte er bestürzt fest.
"Die Narbe...?" Verwirrt blinzelte ihn sein Freund an, ohne zu verstehen, was Heijis plötzliches brutales Verhalten zu bedeuten hatte. "Welche Narbe...?"
Das Gesicht des dunkelhäutigen Detektivs verdunkelte sich zusehends, während er gefährlich leise antwortete:
"Die Narbe, die Conan trägt, seitdem er vor fünf Jahren in den Bauch geschossen wurde... sie fehlt bei dir!"
"Und was bedeutet...?"
"Das bedeutet...", fuhr Heiji fort, seine Augen begannen hasserfüllt zu funkeln, "dass du nicht Shinichi Kudô bist. Du... du bist Kaitou Kid!"
Geschockt weiteten sich auch Shinichi die Augen, ein wirbelnder Strudel begann in seinem Inneren zu toben...
"Kaitou Kid? Aber wie...? Du hast doch gesagt...?", stotterte er überrumpelt, doch Heiji unterbrach ihn mit einer wütenden Handbewegung:
"Du warst niemals Kudô, du hast dich keine einzige Minute lang so verhalten wie er! Ich habe mich naiverweise von deinem Äußeren täuschen lassen, denn Gerüchten zu Folge bist du Kudô wie aus dem Gesicht geschnitten!" Zornig verbarg er sein Gesicht in einer Hand. "Ich war ja so blöd..."
Beinahe teilnahmslos lies der Kranke das weitere wütende Geschimpfe seines bis eben noch besten Freundes über sich ergehen, doch er hörte die Worte kaum noch, denn der Strudel in seinem Inneren nahm weiter zu, immer mehr und mehr...
...und der Damm brach!

An dem Abend, vor drei Tagen, auf dem Dach eines beliebigen Hochhauses, stand er, die weiße Gestalt in dem eleganten Anzug, und beobachtete mit einem Nachtsichtfernglas das dunkle Museumsgebäude am anderen Ende des kleinen Parks vor ihm. Die aktuelle Ausstellung einer berühmten Privatsammlung interessierte ihn nicht, doch bald würde es statt des Inka-Golds wertvolle europäische Schmückstücke hinter den gesicherten Vitrinen geben, funkelnde Juwelen in Hülle und Fülle, eines schöner als das andere, unter anderem das berühmte Collier der Königin Victoria...
Er war nicht der Erste! Während er nur zum Auskundschaften gekommen war, blieben die Spuren eines laufenden Einbruchs unübersehbar für ihn, die Einbrecher waren noch in dem Haus! Doch soeben öffnete sich eine Tür auf dem Museumsdach, und ein Junge schoss heraus, auf den Rand des Daches zu, als würde er verfolgt werden.
Kid fluchte leise, als er den etwa 12-jährigen Jungen wiedererkannte, Conan Edogawa! Als hätte er die gedankliche Nennung seines Namens gespürt, drehte sich der junge Schülerdetektiv just in dem Moment gehetzt herum, doch es war nicht der weit entfernte Kid, den er erschrocken ansah, es waren die zwei Männer mit den langen Gewehren, die soeben im Türrahmen erschienen waren. Und ohne weiter zu zögern sprang der Junge!
Wie durch ein Wunder gelang es ihm auf das Schindeldach des nächsten japanischen Hauses etwa vier Meter unter ihm zu gelangen, ohne mehr als nur ein zwei Meter die Schräge herunterzurutschen. Doch als er sich wieder aufrichtete und weiterhechtete, schien es, als ob er das rechte Bein geringfügig nachzog...
Schon waren seine zwei Verfolger am Dachrand, einer sprang ihm mutig hinterher und setzte ihm ebenfalls unbeschadet nach, während der andere lieber zur Tür zurückrannte. In der Ferne hörte man ein sich näherndes Sirenenkonzert, doch sie schienen noch zu weit entfernt, um den Jungen rechtzeitig retten zu können, der nicht nur von dem Mann mit dem Gewehr, sondern auch von einem oder mehreren Komplizen auf einem Motorrad am Boden verfolgt zu werden schien, wie das Aufheulen von Motoren vermuten ließ...
Der Mann auf dem Dach hielt plötzlich an, hob sein Gewehr an und zielte... und in dem Moment sprang auch Kid von seinem hohen Beobachtungsposten!
Den Gleiter in seinem Rücken weit ausgebreitet, eilte der Dieb zur Hilfe, doch zu spät, schon brach der Junge mehrere Dächer entfernt mit einem Aufschrei zusammen, ohne dass ein Schuss hörbar gewesen wäre - Schalldämpfer! Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte er sich tapfer wieder hoch, ohne jedoch einen Schritt weiterzukommen, und schon legte der Schütze zum zweiten Schuss an...
...und in dem Moment wo der Phantomdieb den kleinen Detektiv zu fassen bekam, explodierte der Schmerz in seinem Rücken!
Freier Fall, ein harter Aufprall auf seinen Schultern, an seinem Hinterkopf, und wabernde Schwärze... Er spürte nur noch die vielen Hände, die ihn hastig hochhoben und wegtrugen...

"Scheiße! Wie konnte ich nur so blöd sein den meistgesuchten Dieb der Welt mit Kudô zu verwechseln!"
Das Toben der bekannten Stimme brachte den erstarrten Kid in die Realität zurück. Er blinzelte verwirrt, als er sich wieder in der Küche des Meisterdetektivs aus Ôsaka wiederfand und selbigen noch immer wütende Verwünschungen ausstoßen sah. Wieviel Zeit mochte soeben vergangen sein? Mehrere Minuten? Oder doch nur wenige Sekunden...?
"Conan Edogawa, im Tempel des Himmelsdrachen!"
Überrascht sah Heiji auf, die Wut mit einem Schlag wie weggeweht, doch Kid beachtete es kaum, ernst und erschrocken zugleich sprach er laut aus, was er auf keinen Fall jemals hätte vergessen dürfen:
"Wir müssen uns beeilen! Conan - er schwebt in Lebensgefahr!"
Einen Moment lang blieb der junge Detektiv regungslos, sein Gesicht spiegelte deutlich die Unentschlossenheit seiner Gefühle wieder, fassungsloser Zorn gegen das vernunftbestimmte Bedürfnis sofort zu handeln, bevor es zu spät war...
Und endlich kam Bewegung in seinen Körper! Ohne weiter zu zögern rannte er aus dem Raum, kam Sekunden später mit zwei Jacken im Arm wieder:
"Hier, wir fahren nach Tôkyô, und du kommst mit!", befahl er harsch und warf dem Dieb eine gefütterte Jeansjacke zu, während er selbst schon in seine Lederjacke zu schlüpfen begann. Kid nickte mit unbewegter Miene, zog sich rasch die Jacke über und folgte seinem Gegenspieler deutlich langsamer in den Eingangsbereich, wo sich dieser schon ungeduldig seine Sportschuhe zuband, die Wohnungsschlüssel längst in der Hand.
"Ich gebe uns genau 30 Minuten, dann will ich im Super-Express nach Tôkyô sitzen, koste es was es wolle!", drohte er deutlich, seine Stimme beinahe ein Knurren, seine grünen Augen sprühten vor unterdrückter Ungeduld und Wut, als der Dieb seiner Meinung nach nicht schnell genug in seine eigenen abgetragenen Schuhe schlüpfte.
Kid nickte ergeben, beugte sich schnell herunter... und verlor sogleich das Gleichgewicht, konnte sich gerade noch an der Wand neben ihm abstützen und sich damit vor dem drohenden Sturz bewahren!
Zögernd stand der dunkelhäutige Detektiv über ihm, dann reichte er ihm widerwillig die Hand und half ihm schließlich auf. Kurz darauf eilten beide so schnell sie konnten aus der Wohnung!







Fünfter Teil
Tags: fanfics, heiji, kaito
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