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Blackout - Teil 2

Blackout - Teil 1






Benommenheit.
...Licht.
Starkes Licht? Grell... unangenehm! Das Licht sollte weg, sofort...
"Mittlere Gehirnerschütterung... ...Schlag auf Hinterkopf... oder Fall... daher.. Amnesie..."
Stimmen. Nein, eine Stimme, männlich, tief, sie dröhnte in seinem Kopf. Und diese Kopfschmerzen, sie taten so weh! Dann war das Licht weg, endlich...
"Was soll... tun.. ...besser?"
Eine jüngere Stimme, nicht ganz so tief, aber auch männlich, nicht ganz so unbekannt... angenehmer...?
"Er sollte... mindestens eine Woche ..ruhen... nicht anstrengen."
Sprachen die Stimmen von ihm?
"...und ich kann nur dringendst... Krankenhaus empfehlen.. ...Untersuchung um sicherzugehen... hohes Risiko..."
Flatternd versuchte er seine Augen zu öffnen, wer war da...?
"Nein, auf keinen Fall! ...muss noch immer geheim halten... Gefahr, hier.. in Sicherheit."
Heiji.
Langsam unterschieden sich die Geräusche deutlicher voneinander, das war Heijis Stimme. Der andere... ein Arzt...? Warum Gefahr...?
Die Stimmen entfernten sich langsam, verstummten schließlich nach einem anderen Geräusch. Eine Tür? Dann Stille, mehrere Sekunden lang. Und schließlich spürte Shinichi eine leichte Bewegung an seiner Seite, das Senken... der Matratze?
Wieder ein, zwei Sekunden lang Stille. Dann:
"Wie geht es dir?", fragte eine mitfühlende Stimme. Heijis Stimme.
Mit einem leisen Stöhnen zwang sich Shinichi endgültig die Augen zu öffnen. Erst nichts, wabender Nebel, doch allmählich erkannte er die Konturen des jungen Detektivs, der neben ihm saß und ihn besorgt betrachtete.
"Mhhhh...", murmelte er schließlich gedehnt, fuhr sich fahrig mit der Hand über die pochende Stirn und über den kurzgeschorenen Schädel. "Prächtig..."
Ein kurzes Glucksen kam von dem anderen, doch es klang nicht halb so amüsiert wie er es sich gewünscht hätte. Schade...
"Hast du Hunger? Ich habe eine Reissuppe auf dem Herd stehen, du kannst gleich etwas davon abhaben, wenn du möchtest."
Müde massierte sich Shinichi inzwischen das Nasenbein, nickte dabei einmal kurz dankbar, und er spürte, wie sich der abgesenkte Teil der Matratze wieder hob, als Heiji aufstand.
Reissuppe... War das nicht etwas, was sonst Mütter ihren kranken Kindern kochten? Es fühlte sich so vertraut und geborgen an im warmen Bett zu liegen, krank zu sein und sich mit Reissuppe bekochen und bemuttern zu lassen, ein schönes Gefühl. Nur ungern dachte Shinichi daran, dass er sich nicht daran erinnern konnte, ob seine Mutter ihm jemals Reissuppe an sein Bett gebracht hatte, und dass derjenige, der ihn gerade so fürsorglich bemutterte, eigentlich sein bester Freund war, Heiji. Bester Freund, seit seinem ersten Erwachen, vor vielleicht etwas über einer Stunde. Nein, das stimmte nicht, seit fünf Jahren.
Er überlegte kurz. Machte das wirklich einen Unterschied?
Warmer leckerer Essensduft drang gemeinsam mit Heiji und einem voll beladenen Tablett in das kleine Schlafzimmer und verdrängte - begleitet von einem lauten Aufknurren des Magens - seine Grübeleien. Nachdem Heiji ihm aufgeholfen und ein paar Kissen in den Rücken gestopft hatte, machte er sich hungrig über das warme Essen her.
Wie lange war es her, dass er das letzte Mal gegessen hatte? Selbst das wusste er nicht mehr...
"Was hast du vorhin gemeint, dass es im Krankenhaus zu gefährlich sei, ich aber hier in Sicherheit wäre?", erkundigte er sich schließlich beiläufig zwischen zwei Bissen.
"Äh, was?" Heiji schrak etwas verwirrt hoch. Er hatte ihn offenbar beim Essen betrachtet. Etwas müde streckte er seine Glieder, bevor er Anstalten zum Antworten machte, doch Shinichi war sich recht sicher, dass er diese Antwort damit nur bewusst hinauszögerte.
"Ich schätze die Org könnte dahinterstecken, wenn du wieder großgeworden bist...", fing er zögerlich an, "deshalb habe ich dich auch nach Ôsaka geschleppt, statt zum Professor oder zu dir ins Haus. Und deshalb will ich das Risiko lieber nicht eingehen, dass ich dich ins Krankenhaus bringe." Er fuhr sich unsicher durch die Haare, offenbar fühlte er sich mit seiner eigenen Entscheidung nicht wohl. "Der Arzt ist ein alter Freund der Familie, ihm kann ich völlig vertrauen. Er hat gemeint, dass du mindestens eine Woche lang völlige Ruhe brauchst, um deine Gehirnerschütterung auszukurieren. Daher kommt vermutlich auch deine Amnesie, du hast schließlich einen schweren Schlag auf den Kopf bekommen." Wieder zögerte er kurz. "Wobei ich eher vermute, dass du gefallen bist, von einer Treppe oder so."
Staunend hielt Shinichi beim Essen inne.
"Woher weißt du das?", fragte er beeindruckt nach.
Heiji lachte kurz auf, und bevor der Kranke reagieren konnte, hatte sich der junge Detektiv schon dicht an ihn herangesetzt, ihm seinen Teller abgenommen und neben sich abgestellt, ihm beide Hände um den Kopf gelegt und drückte ihn mit sanfter Gewalt sehr vorsichtig nach unten, sodass Shinichi mit gesenktem Kopf beinahe an Heijis Brust lehnte und auf dessen Beine starrte.
"Du hast hier", erklärte der Detektiv geduldig und fuhr dabei federleicht eine Linie an Shinichis Hinterkopf mit dem Finger nach, "eine längliche Kruste, die noch recht frisch ist. Das sieht eher nach einer Treppenstufe als nach einem Schlag aus." Er hielt kurz inne, fuhr jedoch weiterhin nachdenklich mit dem Finger über die Stelle ohne es wirklich zu bemerken, während seine andere Hand Shinichis Nacken sanft umfasste. "Wenn das der Fall war, der dich dein Gedächtnis gekostet hat, dann kannst du nicht sehr weit gekommen sein ohne ohnmächtig zu werden, das muss in der Nähe der Toilette im Bahnhof passiert sein..." Seine Hände wanderten weiter, umfassten nun beide eine weitere Stelle an dem geschorenen Schädel, und beide Daumen strichen ebenso behutsam über die Mitte des kleinen Kreises, als wäre das fremde Haupt in ihrer Obhut etwas unendlich Wertvolles und Zerbrechliches. "Obwohl du hier noch einen blauen Fleck hast, der allerdings etwas älter ist, er hat sich schon gelblich verfärbt. Hier bin ich allerdings nicht sicher, ob das ein früherer erster Fall war oder doch ein Schlag." Er zögerte, seine Hände hielten kurz inne. "Könnte beides möglich sein..."
Müde hing Shinichi noch immer mit dem Kopf nach unten, den Blick auf die dunkelblauen Jeans fixiert. Die schwarze Farbe von Heijis Polohemd erfüllte nahezu vollständig sein Sichtfeld, und ein leichter süßlich-herber Geruch strömte von seinem Körper aus, drang in Shinichis Nase. Es war nicht der Geruch, den eine Mutter die Reissuppe kochte verströmen würde, dafür war der Duft zu männlich, nur Männerseifen und Parfüms rochen so. Aber es war nichtsdestotrotz angenehm und einlullend, genau wie Heijis Wärme, Heijis Stimme, Heijis Hände...
Erschöpft ließ er seinen Kopf die letzten Zentimeter nach vorne sinken und sackte endgültig an die durchtrainierte Brust mit dem angenehmen Geruch, schmiegte sich beinahe an das schwarze Hemd an.
"Hör nicht auf...", bat er leise den überraschten Detektiv, und nach einem weiteren kurzen Zögern nahm Heiji das sanfte Streicheln wieder auf, erst unsicher, dann beinahe zärtlich, in einem beruhigend langsamen Rhythmus.
Mehrere Minuten lang genoss Shinichi nur stumm die zärtlichen Berührungen, er fühlte sich zufrieden... glücklich...? Heiji sagte nichts, strich nur weiterhin behutsam mit seinen Fingern über die kurzen Haarstoppeln, und Shinichi war ihm dankbar dafür, er brauchte keine Worte um sich geborgen zu fühlen an der Brust seines Freundes... Doch dann brach er schließlich von selbst leise das Schweigen:
"Ich bin beeindruckt, wie du mit so wenigen Details so viele Sachen schlussfolgern kannst. Detektiv zu sein scheint wirklich praktisch zu sein..."
Wieder hörte das Streicheln kurz auf, doch dann schien sich Heiji an Shinichis Bitte zu erinnern und seine Hände fuhren in ihrer Bewegung fort, wenn auch etwas abgelenkter.
"Das?" Er lachte auf, das gleiche Lachen wie es Shinichi am Anfang aufgefallen war, gleichzeitig verlegen vom Lob und doch so unerträglich selbstsicher. "Das, das ist eine meiner leichtesten Übungen!", erklärte Heiji selbstgefällig, Shinichi konnte das breite Grinsen in seinem Gesicht regelrecht spüren!
"...und so bescheiden bist du also auch noch...", kommentierte der Kranke diese Aussage mit kaum verhohlenem Sarkasmus und richtete sich schließlich doch wieder auf, um seinem Freund kritisch ins Gesicht zu sehen. Doch Heijis Grinsen verschwand nicht, schien im Gegenteil noch breiter zu werden!
"Das sagst du, dabei ist das normalerweise dein Lieblingsspruch!"
Irritiert hob Shinichi eine Braue.
"Mein Spruch?", echote er verwundert, wurde jedoch nur von einem weiteren kleinen, diesmal herzlicheren Lachen Heijis bestätigt.
"Dein Spruch. Oder Holmes', wie auch immer." Die Freude seinem besten Freund einen kleinen Seitenhieb verpasst zu haben schwand jedoch gleich darauf sichtbar und wurde von einem traurigen Lächeln abgelöst. "Also erinnerst du dich noch nicht einmal an deine Holmes-Manie?"
Von der plötzlich aufgekommenen düsteren Stimmung angesteckt wanderten seine Augen verlegen zur Seite, an seinem Freund vorbei...
"Tut mir Leid, wenn ich derzeit nicht mehr der bin, den du kanntest..."
Zwei dunkelhäutige Hände legten sich entschieden auf seine beiden Schultern, und überrascht sah Shinichi wieder auf, in zwei düster funkelnde grüne Augen.
"Das macht nichts, Kudô, du bist noch immer du und mein bester Freund, egal was passiert! Und..." Sein Blick wandelte sich wieder, nahm ein amüsiertes Glitzern an. "...und der Spruch hat mich schon immer genervt, wie übrigens jedes Mal, wenn du mal wieder angefangen hast deinen geliebten Holmes zu zitieren. Ich finde es sehr angenehm, dass du zumindest das vergessen hast."
Das brachte Shinichi endlich wieder zum Grinsen!
"Hast du sonst noch irgendwelche Wünsche, die ich dir erfüllen kann, solange ich gerade dabei bin meinen Charakter völlig umzustrukturieren?"
Befreit lachte Heiji auf, löste dabei endgültig seinen mittlerweile lockereren Griff. Zufrieden betrachtete Shinichi seinen Freund, wie sich seine Züge entspannten und die Sorge kurzfristig aus seinen Augen wich, ein schönes Bild, ein schöner Klang. Er nahm sich fest vor ihn öfter zum Lachen zu bringen!
"Vielleicht könntest du endlich singen lernen?", versuchte Heiji schließlich sein Glück und grinste breit zurück. "Einmal wurde ich zum Karaoke geschleppt, mit dir zusammen!" Theatralisch leidend zog er eine Grimasse. "Wir konnten dich partout nicht davon abhalten das Lied zu Kamen Raider singen zu wollen, obwohl Ran mit leidenschaftlicher Überzeugsarbeit versucht hat dich mit unsinnigen Botengängen davon abzuhalten, aber irgendwann hast du es doch bis auf die Bühne geschafft!"
Shinichi grinste breit.
"So schlimm?"
"Nein, schlimmer!" Heiji rieb sich mit einer demonstrativ gequälten Grimasse ein Ohr, als könne er den Schmerz noch immer deutlich spüren. "Ich dachte mir fallen die Ohren ab! Ich musste dich zum Schluss unterm Arm packen und dich vom Mikro wegtragen, sonst hättest du das Lied womöglich noch bis zum Ende vergewaltigt!"
Shinichis Grinsen wuchs noch weiter und entblößte eine gefährlich weiße Zahnreihe.
"Klingt nach Spaß, müssten wir bei Gelegenheit mal wiederholen!"
"Wehe dir!", lachte Heiji und bemühte sich dabei um ein sichtbar leidgeplagtes Gesicht - was ihm zu Shinichis großem Vergnügen nicht ganz überzeugend gelang - um dann schließlich doch noch kichernd loszulachen, von der entspannten Stimmung angesteckt, bis auch Shinichi befreit mit einstimmte und sie schließlich nicht mehr genau wussten, weshalb eigentlich... doch spielte das wirklich eine Rolle?
Noch immer mit seinem entspannten Lächeln auf den Lippen deutete Heiji schließlich auf den leeren Teller.
"Möchtest du noch etwas? Oder bist du fertig?"
Vorsichtig schüttelte Shinichi den Kopf.
"Nein, das reicht, danke." Er zögerte kurz. "Aber... könnte ich vielleicht duschen? Ich fühle mich so, als hätte ich zu Weihnachten mein letztes Bad gehabt."
Überrascht riss der Detektiv die Augen auf:
"Natürlich, was denkst du? Eigentlich wollte ich dich das auch schon fragen, aber dann bist du einfach umgekippt."
Shinichi nickte dankbar, wartete kurz bis Heiji den Teller von seinem provisorischen Ablageplatz neben ihm auf der Matratze abräumte, dann schlug er die Decke zurück und schwang bedächtig die Beine über den Bettrand. Und knickte beinahe augenblicklich ein, kaum dass er auf beiden Beinen stand, und nur Heijis schneller Griff um seinen rechten Arm bewahrte ihn vor einem Sturz, während der junge Detektiv mit der anderen Hand noch immer den Teller hielt.
"Möchtest du, dass ich dir helfe?"
Besorgt betrachtete Heiji seinen Freund, während er ihn weiterhin so gut es ging einhändig stützte.
Helfen? Beim Duschen? Im Leben nicht, er war vielleicht krank, aber kein Kleinkind mehr! Doch dann meldeten sich die eigenen wackligen Beine wieder in seinem Bewusstsein, und die grünen Augen, die ihn so hypnotisierend fixierten und jedes Zögern, jede Schwäche zu erkennen schienen. Und das Wissen um diese Schwäche in diese angenehm bemutternde Sorge umwandelten...
Verlegen nickte Shinichi endlich. Und lächelte gleich darauf kokett:
"Aber nicht, dass du etwas Unschickliches versuchst!", verkündete er mit übertriebener Schüchternheit, seine Stimme kletterte dabei versuchsweise mädchenhaft um ein zwei Oktaven nach oben... und scheiterte kläglich an dem trockenen Husten, der diesen Scherz sofort bestrafte und seine ohnehin raue Kehle schmerzhaft beanspruchte.
Heiji lächelte trotzdem, wenn auch aus seinen Augen mehr die Besorgnis sprach als Spaß.
"In Ordnung, ich werde das gnädige Fräulein nicht belästigen!", versprach er feierlich.


Unbehaglich zog sich Shinichi das T-Shirt über den Kopf, mit dem er an diesem Tag in Heijis Bett aufgewacht war, während er seinen Freund in der Küche mit dem Geschirr klappern hörte. Er hängte den schwarzen Stoff an einen freien Kleiderhaken, stützte sich dabei unsicher ab und zog sich vorsichtig auch die Pyjamahose von den Beinen. Auch diese war frisch, nicht der abgetragene hellblaue Trainingsanzug, den er bei seinem ersten Erwachen nach seinem Gedächtnisverlust bemerkt hatte.
Hatte Heiji ihn umgezogen, während er bewusstlos war, und ihn so ins Bett gesteckt? Die Frage war töricht, wie ihm gleich darauf bewusst wurde, wenn nicht er, wer sollte es dann gewesen sein? Der Gedanke, dem Detektiv in seiner Bewusstlosigkeit so ausgeliefert gewesen zu sein, machte ihn aus irgendeinem Grund nervös. Doch gleichzeitig...?
"Bist du fertig?"
Ein dunkelbrauner Haarschopf erschien im Türrahmen und Heiji sah ihn fragend an, entdeckte den in seiner Bewegung eingefrorenen Shinichi, der nackt und mit einer Hand an der Wand abgestützt gerade seine Pyjamahose zu dem T-Shirt hängte, und nickte zufrieden. Noch bevor Shinichi sich Gedanken darum machen konnte, bis zu welchem Grad ihm seine Nacktheit peinlich sein konnte, war sein Freund schon barfuß an ihm vorbei in den kleinen Duschraum gelaufen, ohne auch nur einen weiteren Blick auf seinen Körper zu werfen.
"Ich stell dir den Hocker vor den Wasserhahn!", verkündete Heiji mit seiner wie üblich fröhlichen Art und schwenkte gut gelaunt ein kleines hölzernes Höckerchen in seine Richtung, den er schließlich wie angekündigt vor dem Wasserhahn absetzte, ein kleiner Bottich aus grünem Plastik stand schon bereit daneben.
Gehorsam folgte ihm Shinichi, ließ sich dankbar auf den Hocker sinken und drehte dabei seinem Freund den Rücken zu, der gerade über die Badewanne gebeugt die Temperatur des einlaufenden Wassers mit der Hand prüfte. Routiniert füllte er seinen Bottich mit kaltem Wasser, zögerte kurz unbehaglich und zwang sich schließlich dazu es sich über den Kopf zu kippen.
Kalt! Sein Körper zitterte bei dem plötzlichem Kontakt mit dem eisigen Nass, doch trotzdem zwang er sich ein weiteres Mal den kleinen Behälter zu füllen und ihn sich dieses Mal über die Brust zu schütten, und noch einmal und noch einmal... Etwas hilflos hielt er den erneut gefüllten Bottich hoch und versuchte den Rücken, den letzten noch nicht völlig nassen Körperteil, zu erreichen...
Schlanke braune Hände nahmen ihm den schweren Behälter ab, und Heiji schüttete das Wasser gleichmäßig über den hellhäutigen Rücken ohne sich darum zu scheren, dass auch seine eigene Hose mehrere dicke Spritzer abbekam.
"Mach vorsichtig. Du musst dich nicht zu Heldentaten zwingen, wenn du krank bist", schalt er ihn fürsorglich. "Ich habe das Badewasser auch nicht ganz so heiß eingestellt, du wirst aber trotzdem nicht lange drinbleiben." Eine kurze Pause. "Ich will schließlich nicht, dass du mir wegen der Hitze wieder in Ohnmacht fällst."
Shinichi lächelte. Automatisch suchte sein Gehirn nach einer stichelnden Bemerkung zu diesem gluckenhaftem Verhalten, doch wenn er es genau nahm... war ihm nicht nach einem Witz zumute. Heiji mochte sich vielleicht in diesem Moment aufführen wie seine Mutter, aber er hatte recht. Das heiße Wasser eines normalen japanischen Bads war mit Sicherheit nicht das Richtige für jemanden, der wegen jeder Kleinigkeit in Ohnmacht fiel, und... es fühlte sich gut an, dass sich jemand so um ihn sorgte und kümmerte. Wenn er sich schon nicht daran erinnern konnte, wie seine eigene Mutter ihn als kleines Kind umsorgte, so war es ein schönes Gefühl einen guten, einen besten Freund zu haben, der ihm nach seinem vollständigen Gedächtnisverlust, seiner zweiten Geburt, die gleiche Geborgenheit versprach.
Kaum hatte sich Shinichi seine Handfläche mit einem großen Klecks grünlichem Duschgels gefüllt, nahm ihm Heiji die Flasche aus der Hand. Und während er anfing sich die Brust und den Bauch damit einzuschmieren, begann der junge Detektiv das Gleiche in seinem Rücken.
Schön. Sinnlich. Ein angenehmes Gefühl, wie die fremden Finger das Gel langsam über seinen Rücken rieben und den Schaum gleichmäßig verteilten, immer in kleinen Kreisen, von innen nach außen, mit dem gleichen einlullenden süßen Geruch, den Heiji schon etwas schwächer verströmte...
Verlegen biss sich Shinichi leicht auf die Lippen. Die Versuchung war so groß sich einfach gehen zu lassen, genießerisch die Augen zu schließen und sich gänzlich der liebkosenden Massage zu übergeben, einfach nur...
Er biss fester zu, und der kurze Schmerz brachte ihn in die Realität zurück. Scheinbar desinteressiert wendete er sich wieder seiner vorderen Körperhälfte zu, verteilte die Seife so gut er konnte. Nur Heijis übertrieben gründliche Langsamkeit war schwieriger zu ignorieren, so sehr er es zu seinem eigenen großen Bedauern auch zu verdrängen versuchte...
"Hattori? Darf ich deine Zärtlichkeiten als einen schüchternen Verführungsversuch deuten?"
Ein beiläufiger Scherz, der nur dazu diente seine Unsicherheit zu überspielen - ein kläglicher Versuch!
...doch die Hände hielten augenblicklich still.
"Oh." Heijis Ton verriet ehrliche Überraschung. "Das lag nicht in meiner Absicht, tut mir Leid..." Und eine wachsende peinliche Betroffenheit! "Ich wollte nur..."
Der junge Detektiv zögerte ein zwei unentschlossene Sekunden. Dann griff er nach dem leeren Bottich neben sich, trat neben Shinichi an den Wasserhahn und füllte die kleine Schüssel selbst, ohne Rücksicht darauf, dass der Saum seiner Jeans dabei die flachen Pfützen streifte, nur um den vollen Behälter gleich darauf wieder vorsichtig in einem gleichmäßigen kleinen Schwall über den hellen Rücken zu leeren und so den Schaum nach und nach wegzuspülen. Und wieder fingen seine Fingerspitzen an sanft über die Haut zu gleiten...
"Du hast überall blaue Flecken, hier", seine Fingerkuppen fuhren über eine Stelle an seiner Schulter, die leicht schmerzte, "hier und hier auch, und hier", zwei Finger umkreisten behutsam eine größere Hautfläche am rechten Schulterblatt, "hast du einen besonders großen, der sich schon gelblich verfärbt hat. Bei der Position der Flecken bin ich mir recht sicher, dass sie von einem Sturz aus einer gewissen Höhe kommen, bei dem du zuerst mit der oberen Rückenpartie aufgeprallt bist, um anschließend mit dem Kopf aufzuknallen. Ich gehe stark davon aus, dass du dir bei diesem Fall deine erste große Kopfverletzung zugezogen hast!"
Shinichi antwortete nicht gleich. Die Arme auf beiden Seiten am Rand des Hockers abgestützt, die Hände um das Holz geklammert, kämpfte er innerlich mit den Gefühlen, die in seinem Körper wie ein Strudel zu brodeln begannen. Auf der einen Seite ein seltsames Gefühl der Leere, das sich in ihm breitmachte, ohne dass er einen nachvollziehbaren Grund dafür finden konnte. Und auf der anderen Seite der Eindruck, nein, das Wissen darum, dass Heiji soeben eine wichtige Erkenntnis erlangt hatte, mindestens ebenso wichtig wie sein Verdacht, dass er sich unbedingt daran erinnern musste was geschehen war, weil ansonsten schon sehr bald etwas Schreckliches passieren würde... falls es nicht schon zu spät war! Doch was diese schreckliche Konsequenz sein konnte, oder was genau geschehen war, und warum dies überhaupt geschah... Leere. Gähnende trostlose Leere. Seine Erinnerungen blieben weiterhin lückenlos vor ihm verschlossen.
"Kannst du sonst noch etwas erkennen?", fragte er schließlich tonlos, doch der Ernst in seiner leicht gekrümmten Haltung, in seinen starr nach vorne gerichteten Augen, war dennoch kaum zu übersehen.
Heiji nickte unmerklich und kniete nun vor seinem nackten Freund, nur um dort mit der gleichen Prozedur zu beginnen. Ein konzentriert prüfender Blick, die Fingerkuppen, die genau wie eben zuvor federleicht über die helle Haut strichen, nur dass diese Berührungen Shinichi nun nicht mehr sinnlich erschienen, sondern wie das, was sie eigentlich gewesen waren: das Tasten eines Arztes nach Symptomen - oder eines Detektivs nach Hinweisen.
Schließlich schüttelte sein Freund leicht den Kopf.
"Nein, vorne kann ich weder Blutergüsse noch Kratzwunden erkennen, du scheinst dich nur hinten verletzt zu haben, vor allem am Kopf und an den Schultern." Dann zögerte er leicht... und starrte schließlich unverhohlen in Richtung Shinichis unterer Körperregionen!
"Hast du... dich jetzt genug satt gesehen?", wagte dieser nach mehreren Sekunden der peinlichen Stille einen Scherz. Lahm, unsicher, unüberzeugt, das hatte er auch schon besser hinbekommen. Die peinliche Situation nackt vor seinem besten Freund zu sitzen, den er erst seit ein paar Stunden erneut kennengelernt hatte, kam ihm wieder mit einem Schlag zu Bewusstsein, unruhig begann er auf dem niedrigen Hocker hin und her zu rutschen. Und endlich löste sich Heiji wieder aus seinen Betrachtungen und hob den Kopf.
"Irgendetwas stört mich!", stellte er völlig sachlich fest.
Peinlich berührt wagte Shinichi unauffällig einen Blick auf die vermutete Region Heijis Ärgernisses.
"Na danke auch!", erwiderte er scherzhaft, aber er bemerkte ein weiteres Mal, dass er mit diesem scheinbar flotten Spruch seine Unsicherheit kaum überdecken konnte...
Heiji jedoch schien seine Verwirrung überhaupt nicht erst zu bemerken.
"Irgendetwas stimmt nicht, aber ich komme einfach nicht drauf was...", wiederholte er nachdenklich und begann wieder den Blick herunterwandern zu lassen...
...und Shinichi beschloss augenblicklich etwas dagegen zu unternehmen!
"Hattori?", begann er so ernst wie nie zuvor. "Bitte hilf mir, ich muss mich unbedingt daran erinnern, was passiert ist!"
Verwirrt sah der Detektiv wieder auf.
"Aber was haben wir noch nicht...?" Sein Gesicht hellte sich schlagartig auf. "Wir könnten Fotos anschauen!"
Der Kranke nickte erleichtert, er spürte wie sich neben der Neugierde auch eine schwache Hoffnung in ihm regte.
“Ja, gerne!“, bat er dankbar, seine Finger blieben jedoch noch immer am schmalen Sitzbrett festgekrallt... was auch seinem Freund sofort auffiel, während sich sein Blick wieder augenblicklich verdüsterte:
“Aber erst nachdem du dein Bad genommen hast“, bestimmte er mit unüberhörbarer Sorge in der Stimme. “Deine Lippen sind ja schon ganz blau...“






Dritter Teil
Tags: fanfics, heiji, kaito
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